Das Kammergrab von Pförring

Eine aussergewöhnliche Bestattung wurde während Grabungsarbeiten im Nordwesten von Pförring aufgedeckt. Das im Mai und Juni 2016 gegrabene Kammergrab und die dazugehörende Siedlung gehören zu einer lang bekannten Fundstelle der späten Römischen Kaiserzeit. Aufgedeckt wurden dabei Reste einer Siedlung dieser Zeit sowie eine außergewöhnliche Bestattung einer jungen Frau mit reichen Beigaben – ein sogenanntes Kammergrab aus der ersten Hälfte des 5. Jahrhunderts. Die Funde stammen aus einer Zeit, in der sich das Römische Reich bereits aus dem Gebiet nördlich der Donau zurückgezogen hatte. Die Fundstelle liegt auf einer Anhöhe am nördlichen Rand der ehemaligen Donauaue – und somit zwar außerhalb des Spätrömischen Reichs, aber auch in unmittelbarer Nähe zu dessen Grenze. Aus diesem Grund versprechen die Ausgrabungen wichtige Erkenntnissezum Verhältnis des Römischen Reichs zu den Bewohnern der Gebiete jenseits seiner Grenzen.

Die Ausgrabungsstelle im Nordwesten von Pförring gilt als herrausragender historischer Fund.

Die Siedlung

Nach den Ergebnissen der Ausgrabung war die Siedlung ganz aus Holz und Fachwerk gebaut. Nachgewiesen wurden die Standspuren ebenerdiger Häuser sowie Überreste sogenannter Grubenhäuser, die handwerklichen Tätigkeiten dienten.  Aus Abfallgruben stammt weiteres Fundmaterial, das handwerkliche Produktion belegt. Die Funde, vor allem Scherben handgemachter Tongefäße, stammen vor allem aus lokaler Produktion. Dem gegenüber finden sich erstaunlich wenige Stücke römischen Tafelgeschirrs.

Das Kammergrab

Unweit von der Siedlung wurde  ein außergewöhnliches Grab derselben Zeitstellung freigelegt. Es handelt sich um ein aufwendig konstruiertes und reich ausgestattetes Grab einer etwa 20 Jährigen Frau, die wohl der gesellschaftlichen Oberschicht der lokalen Bevölkerung angehörte. Das Grab bestand aus einer aus Holz gezimmerten Kammer, die in einer Grube im Boden eingebaut war. Diese Kammer, die sich anhand von Verfärbungen im Boden nachweisen ließ, maß etwa 3m x 3m. Sie bestand aus 4 runden Eckpfosten, Wänden und einem Dach aus Holzbrettern sowie  vermutlich einem Holzboden.

Die Kammer war fast perfekt entsprechend den Himmelsrichtungen ausgerichtet. Das Innere der Kammer bestand aus zwei Bereichen: Im Westen stand ursprünglich ein Holzbett oder eine ähnliche Holzkonstruktion, auf der die reich geschmückte Frau niedergelegt wurde. Im Osten der Grabkammer waren die zahlreichen Beigaben auf zwei Ebenen arrangiert.

Die Frau im Westen der Grabkammer

Die Frau lag mit dem Kopf im Norden, Gesicht nach Westen blickend, in gestreckter Rückenlage. Sie war verhältnismäßig groß (über 170 cm). Die Frau wurde in reicher Kleidungbestattet mit 7 Ketten aus über 300 Perlen (Bernstein, Koralle und Glas), die an Bronzefibeln und Silberhaken im Brustbereich und teilweise um des Hals hingen. Sie trug Kopfschmuck, vermutlich feine Tücher mit  verzierten vergoldeten Silberbeschlägen (pyramidalförmig und figürlich – evtl. Schafe), und eine Haarnadel. An der linken Hand trug sie einen verzierten Goldring mit Stein und ein Armband aus Bernstein und Glasperlen. Am Gürtel hing ein Gehänge mit mehreren Bronzegegenständen – unter anderem ein Schlüsselpaar, eine verzierte Pinzette, mindestens 3 kleine Büchsen/Döschen, das Gehäuse einer Meeresschnecke (Cyprea) sowie eine verzierte längliche Knochenbüchse, die vermutlich dazu diente, Nadeln aufzubewahren.

Die Frau lag mit dem Kopf im Norden, Gesicht nach Westen blickend, in gestreckter Rückenlage. Sie war verhältnismäßig groß (über 170 cm). Die Frau wurde in reicher Kleidungbestattet mit 7 Ketten aus über 300 Perlen (Bernstein, Koralle und Glas), die an Bronzefibeln und Silberhaken im Brustbereich und teilweise um des Hals hingen. Sie trug Kopfschmuck, vermutlich feine